Corona-Krise: Kliniken kooperieren

Krankenhäuser arbeiten zusammen

Quelle: Weser Kurier, vom 04.04.2020, Autor: Andreas D. Becker und Esther Nöggerath

Delmenhorst/Landkreis Oldenburg. Die Zahl der Patienten wird steigen, in Delmenhorst, im Landkreis Oldenburg. Und auch die Zahl derjenigen, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt, im schlimmsten Fall sogar beatmetet werden müssen, ist wahrscheinlich noch weit von dem entfernt, was kommen wird. Davon gehen die Verantwortlichen in der Stadt und im Landkreis aus. Und deswegen haben sie sich zusammengesetzt, einen Notfallplan geschmiedet: Wie wollen wir uns verhalten? Wie können wir die Kapazitäten in den drei Krankenhäusern, im Josef-Hospital Delmenhorst (JHD), im Johanneum Wildeshausen und in der Fachklinik für Orthopädie Stenum, optimal nutzen? Am späten Freitagnachmittag haben die Verantwortlichen diesen Plan vorgestellt. Erarbeitet wurde er in dieser Woche unter der Moderation von Landrat Carsten Harings mit den ärztlichen Leitungen und den Geschäftsführungen der Krankenhäuser, dem Gesundheitsamt des Landkreises sowie Vertretern.

Man war sich schnell einig, heißt es in einem gemeinsamen Statement. Denn nur mit einer Klinik-Kooperation kann die Versorgung in der Region sichergestellt werden. Erster und wichtigster Schritt war es, die Beatmungskapazitäten in den einzelnen Häusern zu erhöhen. Im JHD war das Team dabei, wie berichtet, besonders fleißig. Eigentlich ist das Delmenhorster Haus darauf ausgerichtet, 16 Patienten beatmen zu können. Mittlerweile stehen 47 Plätze bereit. Aktuell wird die Ruhe vor dem erwarteten Sturm genutzt, so viele Mitarbeiter wie möglich darin zu schulen, wie die Beatmungsgeräte funktionieren. Das Johanneum hat indes seine Kapazitäten bereits von sechs auf elf erhöht, laut Mitteilung wird die Zahl aber noch auf 23 Beatmungsplätze anwachsen. In Stenum soll es demnach keine Beatmungskapazitäten geben.

Das Grundkonzept in der Versorgung von Patienten, die an Covid-19 erkrankt sind, gliedert sich in drei Phasen. In Phase I, in der mit einem „vermehrten Anfall“ von Patienten gerechnet wird, sollen diese nur im JHD und im Johanneum behandelt werden. Das Krankenhaus Stenum soll – soweit möglich – in dieser Phase noch Covid-19-frei bleiben.

Sollte die Zahl der Patienten trotz der Isolierungsmaßnahmen der Politik noch weiter ansteigen, greift Phase II: In dieser Phase werden die personellen Kräfte aller drei Häuser in den beiden größeren Kliniken in Wildeshausen und Delmenhorst gebündelt, um dort alle Möglichkeiten maximal ausnutzen zu können. „Im Johanneum und im JHD werden dann bis zu 70 weitere einfach-stationäre Betten aufgestellt werden können“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Schon jetzt werden erste Mitarbeiter aus Stenum in Wildeshausen eingearbeitet, ab nächster Woche wird dieser Vorbereitungsschritt auch in Delmenhorst umgesetzt.

Phase III greift schließlich, wenn in Wildeshausen und Delmenhorst andere als Covid-19-Patienten nur noch in geringem Maße oder gar nicht mehr aufgenommen werden können. Dann soll die eigentlich auf orthopädische Patienten spezialisierte Stenumer Klinik überwiegend traumatologische Notfälle aus der Region übernehmen und versorgen. Aber nicht nur das: „Zudem werden Fälle nach Stenum verlegt, die in einer Übergangsphase noch nicht nach Hause entlassen werden können, jedoch in den beiden anderen Krankenhäusern Bettenkapazitäten binden“, heißt es in der Erklärung weiter.

„Bereits seit zwei Wochen gibt es intensive Gespräche und Abstimmungen zunächst im Landkreis Oldenburg und dann auch mit der kreisfreien Stadt Delmenhorst“, sagte Landrat Carsten Harings zu der in diesem Umfang bisher einmaligen Zusammenarbeit der drei Häuser. „Wir hatten einen konzentrierten Austausch und sind schnell zu einem guten Ergebnis gekommen.“ Oberbürgermeister Axel Jahnz unterstrich die Ausführungen von Landrat Harings und ist froh, dass in so kurzer Zeit eine Kooperation auf den Weg gebracht werden konnte, um für die Menschen in der Region eine medizinische Versorgung zu gewährleisten.

Die aktuelle Lage: Weiter ruhig

Im JHD befindet sich derweil eine erste an Covid-19 erkrankte Person auf der Intensivstation. Wie die Stadtverwaltung auf ihrer Homepage bekanntgegeben hat (Stand: 3. April, 14 Uhr), handelt es sich dabei um eine ältere Frau, die beatmet werden muss. Mit ihr gibt es in der Stadt inzwischen 25 Fälle von Corona-Infizierten. Zwei der Patienten werden derzeit, wie berichtet, auch stationär behandelt, allerdings nicht intensivpflichtig. Acht der Corona-Patienten gelten inzwischen bereits wieder als gesund und durften die Quarantäne verlassen. „Als geheilt gilt, wer innerhalb von 48 Stunden zwei negative Abstriche gemacht hat“, erklärt die Stadt. Ein weiterer Patient aus Delmenhorst war Ende vergangener Woche verstorben. Insgesamt sind demnach nun noch 16 Menschen aktuell in Delmenhorst infiziert.

Im Landkreis Oldenburg ist die Zahl der Corona-Infizierten weiter angestiegen und liegt inzwischen bei 159 bestätigten Fällen (Stand: 3. April, 18 Uhr). 45 Patienten davon gelten inzwischen allerdings wieder als genesen, sodass derzeit noch 114 erkrankt sind. 334 Landkreis-Bewohner befinden sich in häuslicher Quarantäne. Bei den 114 Erkrankten handelt es sich um Patienten aus den Gemeinden Ganderkesee (acht), Dötlingen (zwei), Hude (neun), Hatten (vier), Großenkneten (zwei) und Wardenburg (15) sowie der Stadt Wildeshausen (74). In der Samtgemeinde Harpstedt gibt es keine Erkrankten. Dort zählt die Statistik zwei Genesene. Weitere wieder gesunde Patienten verteilen sich auf Wardenburg (14), Ganderkesee (acht), Dötlingen (drei) Wildeshausen (sieben), Hude (neun), Hatten (einer) und Großenkneten (einer). Bislang hat der Landkreis einen Todesfall verzeichnet.

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